Filme des Jahrzehnts

Platz 10 „Inside Llewyn Davis“ von 2013

Starten möchte ich meine illustre Liste der besten Filme des vergangenen Jahrzehnts mit einem Film der Coen Brüder. Diese dürfen in keiner Bestenliste fehlen – wenn sie auch, wie ich schmerzlich beim Aufstellen dieser Liste feststellen musste, im letzten Jahrzehnt was eigene Filme anbelangt nicht sonderlich produktiv waren. So finden wir auf der Liste der Filme, die sie vom Regiestuhl aus betreut haben nur noch „Hail Cesar!“, „True Grit“, sowie die Netflix Produktion „Ballad of Buster Scruggs“. Allesamt solide Filme, die ihren ganz eigenen Stil fortsetzen. Der ganz große Wurf vom Formate eines „Big Lebowski“ oder „No Country for old Men“ war jedoch leider nicht (mehr) dabei.

Ich möchte Inside Llewyn Davis aber in kein schlechtes Licht stellen. Immerhin brachte er es unter anderem zu zwei Oscar Nominierungen. Die Kameraarbeit, eine der zwei Nominierungen, verantwortete Bruno Delbonnel. Das ist insofern bemerkenswert, da man bei einer solch runden Kameraarbeit, wie schon so oft bei Coen Filmen, das große Genie Roger Deakins an der Kamera vermuten würde. Aber auch Delbonnel machte seine Arbeit hier gut und durfte dafür auch bei Buster Scruggs wieder hinter die Linse. Auch zu den Darstellern gehören einige bekannte Gesichter. Zu nennen sind hier etwa Oscar Isaac (u.a. Star Wars), Carey Mulligan (u.a. Drive) sowie Justin Timberlake und Adam Driver in Nebenrollen. Daneben nicht zu vergessen Coen Liebling John Goodman, der wieder einmal in seiner Paraderolle spielt und an Walter Sobchak in Big Lebowski erinnert. 

Der Film selbst spielt in der Vor-Bob-Dylan-Ära des Folksongs im New York des Jahres 1961. Llewyn Davis (Oscar Isaac) ist ein Folk-Sänger, dem der große Durchbruch nicht so recht gelingen will. Eigentlich auch nicht der Kleine. So ist spielt sein Leben zwischen regelmäßigen Auftritten im Etablissement Gaslamp, verschiedenen Couchübernachtungen bei Freunden und dem sonstigen Wahnsinn des Lebens. Der Film ist stark von der themengebenden Folkmusik geprägt, die komplett für den Film komponiert und live eingespielt wurde. Wieso es hierfür keine weitere Oscar Nominierung (Soundtrack) gab ist mir unverständlich. Sicherlich einer der großen Stärken des Filmes. Die Coens sind ja immer wieder für ihre großartige Filmmusik aufgefallen. Vor allem O brother where are thou ist hier zu nennen. Der tolle Soundtrack ist jedem der ruhigere Tunes mag ans Herz gelegt. 

Die Handlung lässt der Musik dabei viel Raum und schreitet langsam voran. Unterbrochen von einer kurzen Roadmovie-Episode finden wir uns zum Ende des Filmes an dem Punkt wieder, an dem wir anfangs gestartet sind. Manch einer mag sich gar fragen, was denn nun Anfang und Ende der Geschichte war. Dass die Katze, die einem von Llewyns Couchhosts gehört, Odysseus heißt ist hier natürlich nicht Zufall sondern Programm. Eben wie jener Odysseus mäandert auch Llewyn durchs Leben. Dieser Film der Coen Brüder ist letztlich wie ein guter Folksong. Am Ende ist man, wo man bereits am Anfang war – in der Zwischenzeit hat man aber Einiges dazugelernt. 

Meine Bewertung 8/10


Platz 9 „Moonrise Kingdom“ von 2012

Ebenfalls in keiner meiner Lieblingslisten fehlen darf der großartige Wes Anderson, der auch diese 90-minütige Perle zu verantworten hat. Er hat sich in den vergangenen zehn Jahren aus seiner Sonderlingsnische in den Mainstream vorgearbeitet. Und das gerade, mir etwas unverständlich, mit dem 2014er Streifen Grand Budapest Hotel. Ich kann nicht genau sagen, was es ist, aber gerade den halte ich für einen seiner schwächeren Filme. Zu ernst war mir dort das Thema, zu formalistisch der Gesamteindruck. Wo Grand Budapest Hotel zwei Jahre später 4 Oscars bekam blieb es für Moonrise Kingdom lediglich bei einer Nominierung für das beste Originaldrehbuch. Dazu immerhin eine Nominierung für den Besten Film in Cannes. 

Moonrise Kingdom vereint all das was ich schon immer an Wes Anderson geliebt habe. Eine absurde Geschichte, verpackt in herrlich skurille, bonbonfarbenen Bilder. Dabei alte Filmgesichter in Rollen, die man ihnen nicht zugetraut hätte, die aber den Film gerade so besonders erscheinen lassen. Wer denkt bei Bruce Willis zum Beispiel an einen melancholischen Inselpolizisten? Großartig auch Edward Norton als Pfadfinderhäuptling Ward.

Der Film spielt auf einer Insel in New England in den Sechzigerjahren. Zwei verliebte Teenager, die von zuhause – respektive dem Pfadfindercamp – ausgerissen sind starten ihr erstes ganz großes Abenteuer. Es gibt Fischerhaken-Skarabäuskäfer-Piercings, Zungenküsse am nebligen Strand und Nierenstiche mit Linkshänderscheren. Wem das noch nicht abgedreht genug ist darf sich auf eine Dreiecksbeziehung aus Frances McDormand, Bill Murray und Bruce Willis freuen. Der Soundtrack ist 60ies getränkt bis hin zu klassisch-pompös und gibt dem Film den Flair, den er benötigt. Das Einzige was hier fehlt ist mein Boycrush Owen Wilson, der das erste mal nicht bei Wes Anderson mittun darf. Ich glaube der Film fiel in seine suizidale Phase. Für mich der letzte große Wes Anderson Film. Ich hoffe auf weitere Knaller im neuen Jahrzehnt.

Meine Bewertung 9/10


Platz 8 „Only Lovers Left Alive“ von 2013

Jim Jarmusch’s Vampirromanze aus 2013 ist ein Film, der mich immer wieder in eine ganz eigene Stimmung versetzt. Dazu trägt vor allem der großartige Soundtrack aus verzerrten Gitarren bei, der in Cannes mit dem Musikpreis ausgezeichnet wurde. Der bis dahin unbekannte Jozef van Wissem macht hier einen ganz ausgezeichneten Job und gibt dem Film sein Tempo vor. 

Wir sehen ein nächtliches Detroit, das in Ruinen liegt. Alte herrschaftliche Theater sind jetzt zu verfallenen Parkplätzen verkommen und stehen mit ihrer Vergänglichkeit im Kontrast zur Endlosigkeit des vampirischen Daseins. Adam (Tom Hiddleston), ein depressiver Vertreter dieser Ungeheuerart, hat mit der Welt der „Zombies“ (as in „Menschheit“) abgeschlossen. Zu kleingeistig und vergänglich kommt ihm diese Welt vor. Alles was ihn noch antreibt ist die Musik, die er seit hunderten von Jahren komponiert. Eva (Tilda Swinton), seine Ehefrau, die das nächtliche Leben Marokkos genießt, eilt ihm zur Hilfe, um ihn aufzubauen. 

Jarmusch kreiert zeitlose Bilder von endloser Liebe und Vertrautheit. Hiddleston und Swinton funktionieren großartig als morbides Traumpaar. Man könnte dem Film vorwerfen, er plätschere so vor sich hin. Aber gerade dadurch entfaltet er in Verbindung mit der langsamen Musik seine ganz eigene Wirkung und zieht einen förmlich rein in die Atmosphäre eines toten und düsteren Detroits. Sehempfehlung für Leute, denen Romeo und Julia ein zu grausames Ende hatte oder Twilight zu viele Glitzereffekte auf der Haut.

Meine Bewertung 9/10


Platz 7 „Hell or High Water“ von 2016

David Mackenzies Hell or High Water reisst einen mit, wie der Rio Bravo einen kleinen Goldnugget. Selten hat mich ein Film in den letzten zehn Jahren so gefesselt. Erzählt wird die Geschichte der Brüder Tanner und Toby (großartig Chris Pine), die verhindern wollen, dass ihre Familienranch von der Bank verpfändet wird. Also beschließen sie Filialen eben jener Bank so lange auszurauben, bis sie das nötige Kleingeld zusammen haben, um ihre Ranch auszulösen. Entgegen stellt sich ihnen der alte Texas Ranger Hamilton (nicht weniger großartig, der alte Koyote Jeff Bridges), der kurz vor seiner Rente nochmal einen großen Fisch fangen will. Dabei zeichnet der Streifen ein düsteres Bild Amerikas, einem Land das dem Untergang geweiht ist. Die Kreditwerbungen am Rande der Highways, die traurigen Gesichter derer, die sich mit der Tatsache abgefunden haben ihr Leben lang zu einer immer größer werdenden Unterschicht zu gehören. Die Poetik des Films liegt nicht nur in seinen Worten sondern auch in seinen Bildern. Weite Aufnahmen der Prärie Texas, die verschlafenen Städte mit holzvernagelten Schaufenstern und die Ölbohrtürme, die dem Horizont seine Unendlichkeit nehmen. Hier gibt es kein Gut und Böse. Hier gibt es nur Überleben oder Sterben. 

Der Film erhielt unter anderem vier Oscar Nominierungen. Ich halte ihn für nicht weniger als ein Meisterwerk. Ein Neowestern im Stile von No Country for old Men. Dabei aber mit größerer politischer Relevanz. Daneben auch eine berührende Brudergeschichte, die einen noch lange Nachdenken lässt über die großen Fragen des Lebens. Sehempfehlung für Leute, denen Winnetou zu stark geschminkt war oder Parasites Gesellschaftskritik zu wenig drastisch. Der Film ist vor wenigen Tagen ins Netflix Programm aufgenommen worden.

Meine Bewertung 10/10


Platz 6 „La La Land“ von 2016

Damien Chazelles mit sechs Oscars prämiertes Meisterwerk La La Land ist einer der Kandidaten, bei denen ich nie gedacht hätte, dass sie jemals in einer Liste meiner liebsten Filme landen würden. Um eines vorweg klar zu stellen: Ich hasse Musicals. Diese aufgesetzte, weichgespült erzwungene Happiness hat in mir schon immer Würgreiz ausgelöst. Welchen Eindruck dieser Film auf Liebhaber des Genres haben muss vermag ich nur zu erahnen. Selten jedoch habe ich einen perfekter durchchoreografierten, mitreissenderen Film gesehen. Wie allein die Öffnungsszene in einem Onetake umgesetzt werden konnte ist mir bei all den Statisten und Darstellern vollkommen unverständlich. Hier folgt eine innovative Einstellung der nächsten. Die Kamera schafft es, das Thema Musical perfekt auf die Leinwand zu bringen und den Film zu einem einzigen Spektakel zu machen. Nicht umsonst hat Linus Sandgren für seine Kameraarbeit hier auch den Oscar bekommen. Die Liebesgeschichte zwischen Mia (Emma Stone) und Sebastian (Ryan Gosling) funktioniert fabelhaft, was nicht zuletzt an der großartigen Darstellung ihrer beiden Hauptakteure liegt. Dabei bleibt der Film aber bei Weitem nicht an der Oberfläche, sondern stellt sich die großen Fragen des Lebens. Das Was-wäre-wenn, das letztlich zur Pointe des Filmes wird, hat mich noch lange nach dem Sehen beschäftigt. Leider konnte Damien Chazelle die großen Erwartungen, die an ihn nach Gewinn des Regieoscars für La La Land als jüngster Regisseur aller Zeiten gestellt wurden danach (noch) nicht erfüllen. Sein 2018er Werk Aufbruch zum Mond konnte mich nicht mehr so sehr überzeugen. Unbedingt ans Herz gelegt sei jedoch auch der La La Land Vorgänger Whiplash, eine eindrückliche Studie über die Zustände an einem Musik Konservatorium und den unbedingten Willen im Leben Erfolg zu haben. La La Land hingegen empfehle ich Menschen, die Cats zu haarig fanden und die Stone/Gosling-Kombo in Crazy, Stupid, Love zu cheesy.

Meine Bewertung 10/10


Platz 5 „Mad Max: Fury Road“ von 2015

Ich halte Mad Max: Fury Road für nicht weniger als den relevantesten Film der Dekade im Mainstream Bereich. Kein Film, den ich in diesem Zeitraum gesehen habe, hat sein Genre derart perfektionistisch und künstlerisch weiterentwickelt und auf die Spitze getrieben. George Miller ist damit gelungen, was nur wenigen gelingt. Einer Filmtriologie, die bereits Kultstatus erreicht hat, nochmals die Krone aufzusetzen. Dafür wurde der Film – völlig zu Recht – mit 6 Oscars ausgestattet, wenn diese auch eher die technischen Aspekte des Films gewürdigt haben. 

Der Film zeichnet eine dystopische, postapokalyptische Zukunft, in der Wasser zum höchsten Gut geworden ist und der Planet aus einer allumfassenden Wüste besteht. Furiosa (einarmig, Charlize Theron) versucht das Joch des Tyrannen Immortan Joe zu brechen. Unterstützung erfährt sie hierbei durch Max, gespielt durch den einmal mehr großartigen Tom Hardy, der ein würdiger Nachfolger Mel Gibsons in der Rolle ist. Die Story ist schnell erzählt und letztlich auch vollkommen irrelevant. Wer dem Film hier negativ ankreidet, die Storyline beschränke sich auf eine Gruppe von Leuten, die von A nach B fahren, nur um dann wieder von B nach A zu fahren, hat nicht verstanden, was hier gezeigt werden soll. Hier geht es um Kunst. Die Essenz des Actiongenres. Bildgewaltige Szenen, die einem aufgrund ihres überragenden Schnitts den Puls auf Kolibriniveau treiben. George Miller hat hier eine ganz eigene, wunderschöne Ästhetik geschaffen, die den Film von Tag 1 an zu einem Klassiker gemacht haben. 

Der Film sei Liebhabern des Genres als Must-See ans Herzen gelegt. Wer mit dem Actiongenre nichts anfangen kann sollte sich andere Filme ansehen. Es gibt genügend Filme mit inhaltlichem Tiefgang, die man sich sonntags beim High Tea mit Monokel im Auge und Anstecktuch in der Brusttasche ansehen kann, um dabei leisen Vivaldiklängen zu lauschen und sich intellektuell vorzukommen. Dieser Film wird dieses Bedürfnis nur schwer erfüllen können. 

Meine Bewertung 10/10


Platz 4 „The Revenant“ von 2015

Knapp an den Plätzen mit dem Edelmetall vorbei schrammt The Revenant von Alejandro G. Iñárritu. Der mit drei Oscars ausgezeichnete Western bringt eines meiner Lieblingsgenres zurück auf die große Leinwand. Um den Western ist es leider in den letzten 20, 30 Jahren etwas ruhig geworden. Wirkliche Perlen muss man hier wie die berühmte Nadel im Heuhaufen suchen. Erwähnt werden sollen an dieser Stelle aber zumindest das Klassiker Remake Todeszug nach Yuma von 2007 und die beiden Tarantino-Streifen Hateful 8 und Django Unchained. Mit Revenant schaffte es zum einen DiCaprio endlich seinen lang ersehnten Oscar zu bekommen. (Gemunkelt wurde im Vorfeld der Oscarverleihung bereits, ob dieses Mal der Bär im Film den Vorzug vor ihm bekommt.) Zum anderen gelang Emmanuel Lubezki etwas, das selbst Kameragranden wie Ballhaus oder Deakins nicht geschafft haben. Den Oscar für die beste Kamera das dritte Mal in Folge zu gewinnen. Zuvor hatte er diesen schon für Gravity und Birdman erhalten. 

Der Film stellt ein klassisches Motiv des Western in den Mittelpunkt der Erzählung. Die Rache. In den 1820ern verfolgt Trapper Glass den Mörder seines Sohnes Fitzgerald (ebenfalls herausragend, Tom Hardy), um sich an ihm für den Mord an seinem Sohn zu rächen. Dabei muss er einen Spießrutenlauf durchmachen, der seinesgleichen sucht und das harrsche Leben der Frontiersmen beeindruckend darstellt. Nicht nur ist dabei die Kameraarbeit hervorragend; auch der reduzierte Soundtrack von Sakamoto und Noto zieht einen in seinen Bann. Gedreht wurde nur bei natürlichem Licht, was nicht nur eine Herausforderung darstellt sondern dem Film auch einen ganz eigenen Look verleiht. Sehempfehlung für Jungs, die schon immer Cowboys sein wollten und Mädels, die diese als Indianerin vom Marterpfahl befreien wollten. 

Meine Bewertung 10/10


Honorable Mentions

Die Zeiten der Quarantäne sind Couch- und Filmzeiten. Aus diesem Grund gibt es heute, bevor wir zu den Plätzen 3 bis 1 kommen, ein Trio aus honorable mentions, die es nicht mehr in die Top 10 geschafft haben. Viel Spaß damit und bleibt gesund. 

„Drive“ – Nicholas Winding Refn – USA, 2011  Meine Bewertung 9/10

Los geht’s mit einem Film, den die meisten wahrscheinlich schon gesehen haben werden. Sollte dem nicht so sein, unbedingt in der Quarantäne nachholen. Drive mit Ryan Gosling zählt durchaus zu meinen Lieblingsfilmen. Er entfaltete mit seinem 80ies Synthie Soundtrack, den Autofahrten durch das dunkle Los Angeles und den reduzierten Dialogen eine ganz eigene, langsame Atmosphäre, die mittlerweile oft kopiert wurde. Ryan Gosling transportiert mit ganz wenig Worten ganz viel Gefühl. Er spielt einen Stuntman, der sich in seine – mit einem Knasti verheiratete – Nachbarin verliebt und so, um ihr zu helfen tiefer und tiefer in mafiöse Machenschaften reingezogen wird, aus denen es nur schwer ein entrinnen gibt. Für Liebhaber von Stummfilmen und Stuntmans. 

Drive gibt es derzeit bei maxdome im Abo oder günstig auszuleihen bei Amazon. Netflix hatte ihn lange im Programm, gerade aber leider nicht. 


„Die Jagd“ – Thomas Vinterberg – Schweden, 2012  Meine Bewertung 10/10

Ein sozialkritischer Thriller aus Dänemark und Schweden. Wer ein Fan von Mads Mikkelsen ist, muss hier unbedingt reinschauen. Im Zentrum des Filmes stehen thematisch gesellschaftliche Mechanismen. Vor allem wie Gerüchte und Vorurteile zu Ausgrenzung und der Zerstörung von Leben führen können. Mikkelsen spielt einen Kindererzieher, der aufgrund einer falschen Verdächtigung in einen Strudel aus Anfeindungen gezogen wird aus dem er kein Entkommen mehr findet. Unglaublich spannend erzählt lässt einen dieser Film noch lange grübeln. Für Liebhaber von James Bond Schurken und gesellschaftlichen Querelen.

Die Jagd gibt es bei Amazon oder itunes günstig zu leihen oder über das Sky Abo. 


„Frantz“ – Francois Ozon – Frankreich, 2016  Meine Bewertung 9/10

Zu guter letzt noch Francois Ozons vorletzter Film aus dem Jahre 2016. Eine bewegende Liebesgeschichte der deutschen Anna (Paula Beer) und des Franzosen Adrien (Pierre Niney), die kurz nach den Turbulenzen des ersten Weltkrieges angesiedelt ist. Adrien, ein französischer Soldat, kommt nach Deutschland, um der Familie eines deutschen Soldaten die letzte Ehre zu erweisen. Dabei lernt er die Verlobte des Gefallenen kennen und alles kommt anders als die beiden es sich erwartet haben. Der Film zeigt ein Deutschland, das sich erst wieder daran gewöhnen muss, dass seine Nachbarn Brüder, nicht Feinde sind. Die dichte Atmosphäre und auch das Bild in schwarzweiß lassen den Film sehr real erscheinen und ziehen einen ins Geschehen. Für Liebhaber von Paula Beer und Fraternité.

Frantz ist derzeit im Amazon Prime Abo erhältlich.


Platz 3 „Interstellar“ von 2014

Bronze geht an Interstellar von Christopher Nolan. Dieser hat für mich ohnehin die 2010er Jahre geprägt wie kein anderer Regisseur. So fallen in diese Zeit auch der Abschluss der überragenden Batman Triologie, Inception und Dunkirk. Nolan erfindet sich dabei immer wieder neu. Ob nun innovatives Storytelling, wie in Dunkirk, State-of-the-art Erkenntnisse der Science Fiction, wie hier in Interstellar oder auch einfach die atemberaubende Umsetzung eines altbekannten Comicstoffes. Nolans Filmen haftet das Besondere an. 

In Interstellar wird der ehemalige Astronaut Cooper nochmals rekrutiert und ausgesandt, um durch ein Wurmloch in eine entfernte Galaxie zu reisen und der Menschheit eine neues Zuhause zu suchen. Die Welt wie wir sie kennen ist mittlerweile durch die Klimakatastrophe weitgehend unbewohnbar geworden. Ernten fallen aus, viele Menschen leiden an Lungenkrankheiten wegen dem Staub in der Luft, der sich auf alles legt und das Atmen zunehmend erschwert. Eine abenteuerliche Odyssee durch die Unendlichkeit des Raumes beginnt. 

Interstellar orientiert sich dabei durchaus an seinem Vorbild 2001: Odyssee im Weltraum von Kubrick. Geht aber über diesen hinaus. Was bei Kubrick noch unterkühlt und klinisch daherkam ist hier emotional aufgeladen und durch einen durchaus klugen, drehbuchautorischen Schachzug intensiver. Nolan stellt das Schicksal des Einzelnen in den Mittelpunkt. Die Vater-Tochter Geschichte zwischen Murph und Cooper. Selten hat mich eine Geschichte so bewegt wie diese. Dazu trägt – wieder einmal – auch der hervorragende Soundtrack von Hans Zimmer bei. Der Film ist, gerade weil er so emotional ist, sicher nicht einer für alle Tage. Aber wenn man mal Lust auf ein intensives Filmerlebnis hat geht kein Weg an diesem vorbei. Definitive must-see Empfehlung für alle Scifi-Nerd*innen und alle, die gerne mal wieder Pipi in den Augen haben wollen beim Filmeschauen. 

Interstellar ist derzeit bei Netflix und Joyn verfügbar.

Meine Bewertung 10/10


Platz 2 „Dunkirk“ von 2017

Da ist er schon wieder. Christopher Nolan, ohnehin einer meiner Lieblingsregisseure, hat es wieder getan. 2017 gelang ihm mit Dunkirk neben all seinen fantastischen Filmen der ganz große Wurf. Diesmal ganz ohne Science Fiction, ohne die Hilfe des Batman und ohne unerklärliche Zeit- und Bewusstseinsebenenwechsel. 

In Dunkirk hat der Feind kein Gesicht. Der Film erzählt die Geschichte der Schlacht um Dünkirchen im zweiten Weltkrieg, bei der 370.000 französische und englische Soldaten am Rande des Meeres zu Großbritannien von den Deutschen hoffnungslos eingekesselt waren und dennoch verzweifelt auf ihre Rettung hofften. Geschildert wird das Geschehen aus viererlei Perspektiven, dabei sowohl aus der Luft, auf dem Wasser und vom Strand. Diese wechseln sich immer wieder ab und man verliert schnell die Orientierung, was nun zu welchem Zeitpunkt geschieht. Nichts weniger ist natürlich auch beabsichtigt. Meisterhaft schafft Nolan es, den Zuschauer in seinen Bann zu ziehen. Dabei macht er die Schrecken und Orientierungslosigkeiten des Krieges erfahrbar.

Der Film brachte ihm acht Oscarnominierungen ein, von denen er leider nur die der technischen Kategorien einsammeln konnte. Der Sound des Films sticht aber tatsächlich in besonderem Maße hervor. Daneben gab es noch den Oscar für das Film Editing und den Soundmix. Zusammen mit dem reduzierten Soundtrack von Hans Zimmer haut einen der Film tonal tatsächlich aus den Schuhen. Realer flog eine Spitfire noch nicht über die Zelluloidwand. 

Hoyte Van Hoytema, der auch schon bei Interstellar hinter der Kamera stand legt hier zudem noch eine Schippe drauf. Der Film weiß mit unfassbar schrecklich-schönen Bildern und einem tollen colour grading zu überzeugen. Der eigentliche Coup jedoch ist das Drehbuch. Durch seine geschickte, alineare Erzählungsweise hat der Film eine ganz eigenen Erzählduktus, der auf den Zuschauer einen Eindruck hat, den auch Mendes mit seinem “1917″ nicht erreicht. Ziel von Mendes Film war es ja, das Erlebnis des einzelnen Soldaten greifbar zu machen, indem die Kamera an den beiden Protagonisten förmlich klebte. Nur Nolan schafft es jedoch durch seine geschickte Erzählweise und den Schnitt eine besonders cleane, museumshafte Atmosphäre heraufzubeschwören, die sich nur ganz langsam seinem Höhepunkt zuarbeitet. So gelingt ihm, was 1917 trotz der überragenden Umsetzung des Filmes als (immerhin so wirkender) onetake verwehrt blieb. Nämlich das Kriegsgenre neu zu definieren. Oder gar ein ganz eigenes dokumentarisch anmutendes Subgenre neu zu erfinden. Sehempfehlung geht raus an Leute, die sonst keine Kriegsfilme schauen und solche, die mitbekommen wollen, wo Filmgeschichte geschrieben wird. Dieser Film geht definitiv in die heiligen Ruhmeshallen des Kinos ein und hat sich auch hier die Silbermedaille wahrlich verdient. 

Der Film ist leider gerade aus dem Netflix Angebot gefallen, kann aber günstig bei Amazon und iTunes geliehen werden. 

Meine Bewertung 10/10


Platz 1 „Blade Runner 2049“ von 2017

An einem verregneten Novemberabend 2017 saß ich im Kino und begann nach zwanzig, dreißig Minuten des Films zu überlegen. Das war irgendwie der beste Film, den ich je im Kino gesehen hatte. Was war besser gewesen? Was beeindruckender? Titanic als 8-jähriger? Herr der Ringe als Teenager? Ein Nolan Film? Ein Wes Anderson Streifen? Nein. In dieser allumfassenden Geilheit reichte nichts an diese erste halbe Stunde, die ich gerade gesehen hatte. Der Film war Blade Runner 2049 von Denis Villeneuve. 

Ich war lange Zeit extrem skeptisch diesem Film gegenüber. Der erste Blade Runner von Ridley Scott hatte 1982 Maßstäbe gesetzt. Nie war die Cyberpunk Ästhetik im Kino schöner umgesetzt worden. Mit seinen philosophischen Fragen, die der Film aufwarf und sich im Laufe der Geschichte viel Zeit bei deren Entwicklung nahm hatte er eine zeitlose Relevanz. Diesen Film konnte man nicht fortsetzen, so dachte ich. Dann hörte man, dass niemand anderer als Denis Villeneuve für den Streifen verantwortlich sein würde. Der Regisseur, der auch schon zuvor Großartiges abgeliefert hatte. Und dabei neben Sicario und Prisoners mit Arrival erst im Jahr zuvor einen phantastischen Sci-Fi Film, der sich gerade das nahm, was sich so wenige Blockbuster nehmen. Die Zeit zur Entwicklung einer spannenden Story. Zusätzlich hatte sich Villeneuve mit Roger Deakins den großen Altmeister der Kamera ins Boot geholt. Letzterer sollte seine Leistung auch endlich mit einem Oscar prämiert bekommen. 

Der Film macht dann auch so ziemlich alles richtig, was man bei der Fortsetzung eines solchen Kalibers richtig machen kann. Er setzt einen wieder einmal überragenden Ryan Gosling als Replikanten K ein und spinnt mit ihm die Story, die 30 Jahre zuvor, im Jahr 2019 begonnen hatte, fort. Auch Harrison Ford bekommt wieder seinen Auftritt. Dabei fährt der Film mit eigenen Ideen auf, die in ihrer philosophischen Tragweite den alten Stoff weiterspinnen und auf die Spitze treiben. Was ist das Menschsein? Ist es die Geburt? Die Herkunft als Nachfahre zweier Menschen? Was ist dann aber, wenn ein künstliches Wesen und ein Mensch einen Nachfahren zeugen? Blade Runner 2049 nimmt sich hier, genau wie sein Vorgänger, genau die Zeit, die es benötigt sich neben der Action auch solch komplexen Fragen zuzuwenden. Roger Deakins liefert die Perfomance ab, die man sich von ihm erwartet. Die Story ist komplex. Der Look phantastisch. Villeneuve erweitert die alte, wunderschöne Sci-Fi Welt um einige tolle neue Details und Einfälle, wie etwa K’s Hollogramfreundin Joi. Dabei nutzt der Film das gesamte Potential an state of the art CGI, das es 1982 so natürlich noch nicht gab und ist so noch überzeugender, noch beeindruckender. Absolutes must-see für Fans der Science Fiction und elitären Bild-Ästheten. 

Blade Runner 2049 ist derzeit leider nicht bei den typischen Streamingplattformen verfügbar, kann aber geliehen werden. Empfehlenswert ist es auch, mit dem alten Blade Runner zu beginnen. Dieser ist günstig verfügbar. Frei verfügbar bei youtube sind zudem drei Kurzfilme, die den Zeitraum zwischen 2019 und 2049 beleuchten und als kurze Vorgeschichten von BR 2049 gut funktionieren. Freuen kann man sich, da Villeneuve auch an der Neuumsetzung von Dune arbeitetDieser erscheint – so Corona will – dieses Jahr vor Weihnachten.

Meine Bewertung 10/10

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